Station Nr. 11 Eichen am SchlörplatzDer Schlörplatz bildet gewissermaßen einen Vorraum, einen "Windfang" zur "Guten Stube" Weidens, bevor man die Altstadt und den Unteren Markt durch das Untere Tor betritt. Geprägt wird dieser Raum durch die beiden mächtigen Stieleichen, die mit ihrem Laubwerk und Geäst einen Teil des Platzes überspannen.
Habt Ehrfurcht vor dem Baum. Er ist ein einziges großes Wunder, und eueren Vorfahren war er heilig. Alexander von Humboldt Die Jubiläumseiche am Denkmal und die Friedenseiche in der Mitte des Platzes (gestiftet 1871 von Josef Fiedler aus Almesbach) sind Stieleichen. Quercus robur ist ein Laubbaum, der bis zu 50 m hoch werden kann. Wenn der Baum frei steht, ist die Krone weit ausladend und wirkt unregelmäßig aufgebaut. Seit alters her wird der Baum sowohl forstlich als auch als Park- und Straßenbaum kultiviert. Die Früchte (Eicheln), die im September oder Oktober reifen, haben 2 bis 10 cm lange Stiele. Von daher kommt der Name Stieleiche. Die Früchte der verwandten Traubeneiche (Quercus petraea) sind ungestielt. Die Eiche als Stadtbaum Beide Exemplare am Schlörplatz sind beeindruckende Beispiele für die Verknüpfung zwischen Natur und Stadt und stellen eigenständige Biotope dar. Mikroorganismen und Pilze sind mit den Wurzeln symbiotisch verbunden, Kletterpflanzen, Moose oder Flechten wachsen auf der Baumrinde. Untersuchungen haben ergeben, dass auf den heimischen Eichenarten 423 verschiedene Insektenarten und 28 Vogelarten leben können. (Nach: Klausnitzer, B: Fauna; in: Sukopp, H., Wittig, R. (Hrsg.): Stadtökologie, Stuttgart 1993, S. 239 - 270) Zudem sorgen sie mit ihrer enormen Biomasse für einen Umsatz von mehreren Tonnen Kohlendioxid und Sauerstoff pro Jahr und tragen so zur Verbesserung des Stadtklimas bei: Eine etwa 100 Jahre alte Buche z.B. entzieht an einem warmen und sonnigen Sommertag, an dem die Photosyntheserate besonders hoch liegt, der Umgebungsluft ca. 9.400 Liter CO2. Die CO2-Aufnahme erfolgt durch die Stomata (=Spaltöffnungen) der Blätter, die somit als Kohlendioxidfilter arbeiten. Andererseits werden auch ca. 9.400 Liter Sauerstoff freigesetzt. Dies deckt den täglichen Sauerstoffbedarf von etwa 25 Menschen. Durch Steigerung der Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitiger Absenkung der Temperaturen durch Verdunstung führt die Schattenwirkung eines Baumes, die der Aufheizung von Straßen- und Gebäudeflächen entgegenwirkt, zu einer Herabsetzung sommerlicher Temperaturen in der direkten Umgebung um bis zu 6°C. Bäume gestalten also das Stadtklima für den Menschen im Sommer erträglicher und angenehmer, aber auch gesünder: Bäume können nämlich bis zu 80% der Stäube aus der Luft herausfiltern. Auf diesem Wege wird auch ein Großteil der in der Luft befindlichen Schadstoffe ausgekämmt. Aufgewirbelte Staubpartikel schlagen sich auf den Blättern nieder und werden beim nächsten Regen abgewaschen. Auf diese Weise kann ein Baum im Laufe eines Jahres bis zu 1 Tonne Staub aus der Stadtluft ausfiltern. Wasserrückhaltung: Das bei Niederschlägen in den (unversiegelten) Boden versickernde Wasser wird im Wurzelgeflecht der Bäume gespeichert. Das Speichervermögen wird dabei meist unterschätzt, da man sich der Größe einer Baumwurzel kaum bewusst ist: immerhin entstünde eine Strecke von mehreren 100 km Länge, wenn man alle großen, kleinen und kleinsten Wurzeln eines normalen Stadtbaumes aneinander legen würde. Der größte Teil des aus dem Boden aufgenommenen Wassers wird im Zuge der Transpiration verdunstet und gelangt auf diesem Wege wieder in den kleinen Wasserkreislauf zurück (Erhöhung der Luftfeuchtigkeit). Durch zunehmende Bodenversiegelung und Kanalisation wird der Anteil der natürlichen Wasserversickerung verringert. Durch das schnellere Abfließen in die Kanalisation kommt es einerseits zu einem rascheren und extremeren Auflaufen der Hochwasserspitzen, andererseits steht das Wasser der Verdunstung nicht mehr zur Verfügung. Lärmschutz:Etwa 90% aller Stadtbürger fühlen sich durch Lärm, besonders durch den Straßenverkehrslärm, gestört. Auch Industrie- und Gewerbebetriebe sowie laute Nachbarn stellen Lärmquellen dar. Stadtbäume besitzen die Eigenschaft, Lärm zu dämpfen. Sie leisten durch ihr Blattwerk einen Beitrag zur Senkung des Schallpegels - insbesondere in engen Straßenschluchten, wo Geräusche an den Häuserwänden reflektiert werden. Dabei werden hohe Frequenzen durch das Blätterdach in niedrigere Frequenzen, die als weniger störend empfunden werden, umgewandelt. Soziale Funktionen - Erlebniswert: Bäume üben seit jeher eine besondere Wirkung auf den Menschen aus. In den Religionen und Kulturen spielen sie eine bedeutende Rolle und stellen oft Symbole des Lebens und der Fruchtbarkeit dar. In unseren Breiten galten Bäume als Orakelorte, unter ihnen wurden Gerichte und Versammlungen abgehalten oder Volksfeste gefeiert. Auch heute noch geht von Bäumen eine besonderer Anziehung aus. Sie werden von den Menschen als beruhigende und doch belebende Raumpunkte wahrgenommen und markieren Ruheoasen und Treffpunkte in der Stadt. Bäume können auf innerstädtische Freiräume hinweisen, ein baumbestandener Platz kann zum Verweilen, Kommunizieren und Spielen einladen. Bäume können zu Markierungspunkten eines "subjektiven Stadtplans" (mental map) werden und durch ihre Strukturierungsfunktion Überschaubarbeit und Orientierung im städtischen Raum ermöglichen. Durch eine stärkere Begrünung kann zur Erhöhung der Gesundheit der Bewohner beigetragen und eine positive Bewertung des Lebensraums erreicht werden. Naturnahes Grün in der Nähe der Wohnung spielt bei der Sozialisation von Kindern eine wesentliche Rolle. Hier sind die Möglichkeiten, den Wandel der Jahreszeiten zu erleben, sich an markanten Raumpunkten zu orientieren, diese dem eigenen Wohnbereich zuzuordnen und damit den Raum als eigenen Lebensraum zu identifizieren, als besonders wichtig hervorzuheben.Augustinus Gymnasium Weiden: Heike Büchl, Thomas Hüttinger, Siegfried Klarner |
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