Station Nr. 09 EAW-ArbeitersiedlungDie Backsteinhäuser der ehemaligen Eisenbahnarbeiter an der Nikolaistraße gehören mit zu den letzten Zeugen des Weidener Eisenbahnausbesserungswerks (EAW). Ökologisch sinnvoll, aber unter den Weidnern durchaus umstritten, ist die Umsetzung des Konzepts der Nachverdichtung in der jetzigen Form. Der Architekt Hans Kneidl, als Sohn eines "Bahnerers" selbst dort aufgewachsen, merkt hierzu Interessantes und Kritisches an.
Langeweile ist etwas, was die Natur nicht kennt, sie ist eine Erfindung der Städter.Hermann Hesse Das EAW - Gelände in Weiden hat mittlerweile eine bewegte Geschichte mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die Qualitäten der Stadt Weiden erfahren. Ausgelöst durch den Anschluss an das Netz der Eisenbahn hat die Stadt Weiden am Anfang des 19. Jahrhunderts in ihrer Entwicklung profitiert. Die Stadt Weiden mauserte sich zu einer der bedeutendsten Eisenbahnerstädte in Deutschland. Das Eisenbahnausbesserungswerk hat die Entwicklung von Weiden bis zur Auflösung des Werkes nachhaltig geprägt. Das Ausbesserungswerk selbst wurde zu einer städtebaulichen Dominante in Weiden. Neben den Arbeiterhäusern prägte insbesondere die einige 100 Meter lange Ziegelmauer den Stadtteil des Eisenbahnausbesserungswerkes. Jeder Weidner konnte sich mit seinem EAW identifizieren, insbesondere auch deswegen, weil ganze Generationen im Werk ihren Lebensunterhalt verdienten. Bis in die 60er Jahre mussten die Arbeiter auch am Samstag noch bis zumindest Mittag arbeiten, an den sonstigen Werktagen bis mindestens 18 Uhr. Daraus haben sich starke persönliche Bindungen der Arbeiter an "ihr" EAW gebildet, die auch heute noch (Jahre nach der Schließung) ihren Bestand haben. Mit der Schließung des Werkes verloren viele Weidner ihren Lebensinhalt, was noch bis heute in der Stadt spürbar ist. Mit Auflösung des EAW in den 80er Jahren und der nachfolgenden Demontage des Werkes verlor die Eisenbahnerstadt Weiden eines ihrer prägendsten städtebaulichen Elemente, nicht nur sichtbar, insbesondere spürbar. Durch den Abriss des Werkes, und besonders seiner an dieser Stelle stadtbildprägenden Ziegelwand wurde Geschichte unwiederbringlich beseitigt. An den erhaltenen Arbeiterhäusern, die das Straßenbild der Nikolaistrasse auch heute noch prägen, sind die städtebaulichen Qualitäten bis in die Gegenwart erlebbar. Die Häuser werden noch größtenteils von ehemaligen Eisenbahnern oder deren Nachkommen bewohnt. Der Ansatz der städtebaulichen Nachverdichtung der Eisenbahnerhäuser ist, ökologisch gesehen, sinnvoll und zu befürworten. Leider waren jedoch ausschließlich wirtschaftliche Interessen bei der Umsetzung dieser Nachverdichtung das Maß der Dinge. Zum einen wurden Gebäude entwickelt, die die architektonische Qualität der Arbeiterhäuser nicht respektieren, und zum anderen war die kurzlebige Mode in der Formensprache der angelegte aber fragwürdige Maßstab. Die vorgegebene Bescheidenheit der Arbeiterhäuser wurde nicht erkannt. Fragwürdig im Besonderen ist auch die Entscheidung, in dieser zentrumsnahen Lage eine Industrieansiedlung mit der jetzt vorhandenen städtebaulichen Wirkung zu entwickeln. Ein angemessener, anspruchsvoller Ersatz für die gefallene Mauer wurde jedenfalls nicht erreicht. Eigentlich wäre das der richtige Ort für die Fachhochschule und sonstige öffentliche Gebäude gewesen. Hans Kneidl |
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